Appell für eine bessere Welt

Erstellt am 18-Apr-2011

Wir schaden uns selbst

Seht Euch die Erde an, dort, wo sie noch unberührt von uns Menschen ist. Ist sie nicht wunderschön? Seht ihre Vielfalt: von der kleinsten, leuchtenden Blüte bis zum mächtigsten Baum, vom Rinnsal bis zum Meer mit seiner Brandung, von der fruchtbaren Ebene mit ihrem üppigen Bewuchs, von dem wir leben, bis zu kargen Landschaften, imposanten Bergen und Felsen. Vielen Lebewesen bietet die Erde Raum, aus ihr sind sie und sind wir hervorgegangen und alle brauchen wir einander – mehr oder weniger.
Am wenigsten werden wohl wir Menschen gebraucht. Die Tiere und Pflanzen brauchen uns nicht, wir sie dafür umso mehr. Doch was tun wir? Schamlos beuten wir die Natur aus. Statt sie zu achten, sind wir dabei, sie zu zerstören. Schon jetzt hat die Artenvielfalt stark abgenommen. Merken wir es nicht? Wie sieht sie aus, die Erde, dort, wo der Mensch sich niedergelassen hat?
Wo ist ihre leuchtende Vielfalt geblieben? - Wir begegnen weggeworfenem Müll in der Landschaft und in Gewässern, abgestorbenen Bäumen, immer mehr Monokulturen und Erosionen, immer weniger Pflanzen- und Tierarten, von Schadstoffen verdeckte Himmel, dort, wo wir wohnen, verseuchten Gewässern und mit Nährstoffen, die diesen Namen nicht verdienen, versorgten Tieren. Wenn es uns schon nicht stört, dass wir damit unserer Umwelt schaden, so sollten wir doch beginnen zu verstehen, dass wir damit auch uns schaden.

Wir sind maßlos geworden

Die Vernichtung unseres Lebensraums scheint indes viele nicht zu kümmern. Sie wollen mehr, immer mehr und machen noch nicht einmal vor der eigenen Spezies halt. Wir Menschen sind maßlos geworden. Wir beuten die Erde aus, wir beuten die Tiere aus und wir beuten unsere Mitmenschen aus. Sehen wir genau hin, was vor unserer Haustür, in unserem Land, in anderen Regionen der Welt passiert. Wer wirklich hinschaut, wird die Ungerechtigkeiten, ökonomisch bedingte, aber auch kulturell bedingte, die man ebenso Rassismus nennen kann, nicht übersehen.
Viele dieser Ungerechtigkeiten erkennt man nicht auf den ersten Blick, andere schreien zum Himmel. Hier eine kleine Gruppe, die immer reicher wird, da eine immer größer werdende Masse von Menschen, die immer ärmer wird, die nicht nur kaum ein Dach über dem Kopf hat, sondern viel zu wenig zu essen.

Wollen wir das alles wirklich?
Wir sind nur Gast auf dieser Erde. Sollte ein Gast seinem Gastgeber nicht mit Achtung begegnen? Welches Recht haben wir, nicht sorgsam mit der Erde umzugehen? Und wie ist es mit den anderen Gästen? Auch sie sollte man mit Anstand und Respekt behandeln. Sind das nicht die Regeln, die überall gelten, wenn man eingeladen ist? Doch was tun wir? Wir schlachten immer mehr Tiere ab, weil wir immer mehr Fleisch essen wollen und vergessen, dass sie eigentlich unsere Verwandte sind. Der menschliche Embryo durchläuft im Mutterleib alle Stadien der Evolution, beim Einzeller angefangen. Sollten wir da nicht demütiger sein? Stattdessen vernichten wir nicht nur die Natur um uns herum, wir bekämpfen uns auch gegenseitig, mit Worten und auch mit Waffen. Welchen Sinn soll das haben? Nicht zu bremsende Gier nach Reichtum, nach Macht, nach Meinungsführerschaft? – Warum?

Ein Leben in Vielfalt

Haben wir vergessen, dass wir letztlich alle denselben Ursprung haben, auch wenn wir ihn nicht genau bezeichnen können? Die einen sagen Gott, die anderen sagen Allah. Einige sprechen vom Göttlichen, andere vom Tao, wieder andere von Energie.

Die Menschen haben zeitlebens über ihren Ursprung nachgedacht, und so gibt es viele Namen und viele Vorstellungen dazu. Wer will sich anmaßen, zu behaupten, einzig seine Vorstellung von Gott, dem Göttlichen, von unserem Ursprung, sei die richtige, die wahre Vorstellung.
Ihren Wahrheitsgehalt werden wir niemals mit Sicherheit erfahren. Also: Warum akzeptieren und achten wir nicht auch die Vielfalt der Ideen auf unserer Erde und kalkulieren ein, dass der jeweils andere auch Recht haben kann? Das Miteinander wäre viel entspannter. Wir sind nicht gleich, waren es nie und werden es nie sein. Nicht gleich sein, heißt aber nicht, nicht gleichwertig sein. Wert sind wir alle gleich, jeder mit seinen individuellen Stärken und Schwächen. Jeder hat seine Würde, die geachtet werden muss, egal, wie er aussieht, welche Hautfarbe er hat, woher er kommt oder woran er glaubt.

Zur Würde gehört auch ein Leben in Würde: genügend gesundes Essen, ein Dach über dem Kopf, Zugang zu Bildung und Freiheit vor Unterdrückung.
Ist es so schwer, dies zu akzeptieren und in die Tat umzusetzen, und das, ohne anderen die eigenen Vorstellungen von der konkreten Realisierung zu diktieren?

Wir sind ein Organismus

Auch zwischen uns Menschen herrscht Vielfalt. Warum erfreuen wir uns nicht an ihr oder lernen voneinander? Warum haben wir Angst vor dem Anderen, dem vermeintlich Fremden? Wir sind uns nicht wirklich fremd. Wir haben denselben Ursprung, sei es Gott, der das Universum und mit der Erde auch uns erschaffen, oder eine Energie, die sich im Urknall entladen und unendlich viele Abspaltungen, Manifestationen, hervorgebracht hat, von denen wir Menschen und die Natur, die uns umgibt mit ihrer Flora und Fauna, nur Teile sind. Zusammen mit allen anderen Teilen, anderen Manifestationen, bilden wir wieder das Ganze, lediglich in anderer Ausgestaltung als zu Beginn der Zeit. Wir sind ein Organismus, in dem alles miteinander in Verbindung steht, in dem alles auf alles wirkt und zurückwirkt.

Warum also beuten wir die Natur oder andere Menschen aus, wenn wir doch alle zum selben Ganzen gehören, wenn wir eigentlich alle Eins sind? Warum bekriegen wir uns? – Weil wir von Habgier getrieben sind, nie zufrieden mit dem, was wir haben?
Weil wir den Zugang zu Rohstoffen für uns oder unser Volk alleine wollen? Weil wir meinen, wir hätten die einzig richtige Vorstellung von Gott, dem Leben, einer Gesellschaft? Was wir auch tun, alles beeinflusst das Ganze, den Organismus, zu dem wir gehören, und wirkt letztlich wieder auf uns zurück. Oft erkennen wir dies nicht sofort. Manche Prozesse brauchen einfach etwas mehr Zeit, bis man ihr Ergebnis sieht. Die Natur zeigt uns dies sehr deutlich.

Achtung der Menschenrechte

Was können wir tun? Die Welt ist groß und sie beherbergt viele Kulturen. Vielfalt, auch das lehrt uns die Natur, ist ein Reichtum, den wir nicht unterschätzen, sondern bewahren sollten. So wird jeder Mensch, jede Gruppe, jedes Land seinen eigenen Weg finden müssen, dies aber auf der Grundlage uns alle einender Werte.
In Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der UNO aus dem Jahr 1948 heißt es:

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.
Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Geschwisterlichkeit begegnen.“

Damals stimmten 48 Staaten für diese Erklärung bei acht Enthaltungen. Auf der Weltmenschenrechtskonferenz 1993 in Wien bekannten sich die fast vollzählig versammelten 171 Staaten einmütig zu ihren menschenrechtlichen Verpflichtungen. Dies lässt hoffen. Erklärungen allein aber genügen nicht, wie wir immer wieder sehen. Egoismen brechen sich trotz allem immer wieder und wie es scheint, immer häufiger Bahn.
Wollen wir wirklich etwas ändern, so müssen wir den Egoismus besiegen. Wie aber kann das gelingen? Appelle an das Gewissen reichen offensichtlich auch nicht aus. Ein Perspektivenwechsel ist angesagt.

Den Egoismus überwinden

Die Lösung heißt Liebe. Die Menschen, so heißt es, sehnen sich nach Liebe.

Aber: Geben wir sie uns auch? Geben wir uns die über die erotische und die elterliche Liebe hinausgehende, die Alles und Alle umfassende Liebe? – Sie ist der Schlüssel.

Nur mit ihr können wir den Egoismus überwinden, denn: wen oder was wir lieben, werden wir nicht beschädigen. Wenn wir die Natur wirklich lieben, werden wir uns einsetzen für ihren Erhalt. Wenn wir unsere Mitmenschen wirklich lieben, werden wir sie mit unserem Herzen und ohne Vorurteile sehen, ihnen dieselben Bedürfnisse und Rechte zugestehen, wie uns selbst, und wir werden schließlich danach handeln. Wir werden uns einsetzen für ein Leben Aller in Würde, für Chancengleichheit, für Gerechtigkeit und ein gleichberechtigtes Miteinander in Freiheit.

Handeln ohne Gewalt

Wenn wir dies, ganz gleich, worum es im konkreten Einzelfall geht, ohne jegliche Gewalt tun, dann wirkt unsere Liebe auch auf uns zurück. Jedes Handeln erzeugt eine Wirkung, die auf den Handelnden zurückfällt:
Wer Gewalt sät, wird Gewalt ernten, wer Liebe sät, der wird Liebe ernten.
Handeln wir nach dieser Maxime, so heißt dies in der letzten Konsequenz: Verständigung zwischen den Menschen und Völkern, ein Ende von Ungerechtigkeit und Ausbeutung und schließlich das Ende von Kriegen.
Das klingt idealistisch, ich weiß, unmöglich ist es deshalb aber nicht. Es ist lediglich ein weiter Weg.

Tun wir – jeder vor seiner Haustür, in seinem Land – den ersten Schritt!

 

© Bärbel Teubert-Seiwert

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